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Warum eine neuroschamanische Sitzung mit dem Atem beginnt

Warum eine neuroschamanische Sitzung mit dem Atem beginnt

Eine Sitzung im Neuroschamanismus beginnt mit dem Atem, noch vor Trommel und innerer Reise. Das hat einen körperlichen Grund: Wer in einer Krise steckt, ist meist im Alarmzustand, und aus diesem Zustand heraus gelingt eine Reise nach innen schlecht.

Was in einer Krise im Körper geschieht

Nach dem Verlust des Arbeitsplatzes, einer Trennung oder einer schweren Diagnose reagiert der Körper wie auf eine Bedrohung. Der Sympathikus, der Teil des vegetativen Nervensystems, der auf Kampf oder Flucht vorbereitet, bleibt dauerhaft aktiv. Stresshormone wie Cortisol sind erhöht, und die Amygdala, eine Region im Gehirn, die Gefahren bewertet, ist stärker aktiv.

In diesem Zustand ist die Aufmerksamkeit auf die Bedrohung gerichtet. Es fällt schwer, klar zu denken oder neue Lösungen zu sehen. Gedanken kreisen, der Schlaf wird unruhig.

Die lange Ausatmung

Der Gegenspieler des Sympathikus ist der Parasympathikus. Er ist für Ruhe, Verdauung und Erholung zuständig. Sein wichtigster Nerv ist der Vagusnerv. Beim Einatmen steigt die Herzfrequenz leicht an, beim Ausatmen sinkt sie wieder, und an diesem Wechsel ist der Vagusnerv beteiligt. Eine bewusst verlängerte Ausatmung kann das Gleichgewicht deshalb in Richtung Ruhe verschieben.

Atemübungen mit langer Ausatmung sind kein Sonderwissen des Schamanismus. Sie werden auch in der Traumatherapie und im Achtsamkeitstraining eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel ist die 4-7-8-Atmung.

So geht’s

  1. Vier Sekunden durch die Nase einatmen.

  2. Sieben Sekunden die Luft anhalten.

  3. Acht Sekunden langsam durch den Mund ausatmen.

Drei- bis viermal wiederholen. Wenn beim Anhalten Schwindel auftritt, die Haltezeit verkürzen.

Mehr als eine Entspannungsübung?

Man kann einwenden, dass sich eine solche Übung kaum von einer gewöhnlichen Entspannungstechnik unterscheidet. Für sich genommen stimmt das. Im Neuroschamanismus ist die Atmung aber der Einstieg und nicht das Ziel. Erst wenn der Körper zur Ruhe gekommen ist, beginnt die eigentliche Arbeit: die schamanische Reise mit inneren Bildern, begleitet von einem gleichmäßigen Trommelrhythmus.

Wer sich sicher fühlt, kann sich auf ungewohnte innere Erfahrungen einlassen. Wer noch im Alarmzustand ist, wird eher von ihnen überrollt. Die Atmung schafft die Voraussetzung dafür, dass die Reise nach innen trägt.

Die Übung lässt sich auch ohne Begleitung anwenden, etwa am Schreibtisch oder abends vor dem Einschlafen. Die schamanische Reise selbst sollte dagegen in einem begleiteten Rahmen stattfinden.

Atemübungen können eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen. Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos unter 142.

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