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Schamanen in der Röhre

Schamanen in der Röhre

Schamanen in der Röhre

Schamanische Reisen gehören zu den ältesten bekannten Praktiken der Menschheit, um veränderte Bewusstseinszustände zu erreichen – meist unterstützt durch monotone Trommelrhythmen, die den Praktizierenden in Trance versetzen. Lange Zeit blieb dieser Zustand einer wissenschaftlichen Untersuchung weitgehend verschlossen, da er sich der äußeren Beobachtung entzieht und nur von innen erfahrbar ist. Moderne bildgebende Verfahren eröffnen nun erstmals die Möglichkeit, diesem inneren Erleben auf neuronaler Ebene nachzuspüren und zu verstehen, was im Gehirn geschieht, während ein Mensch eine schamanische Reise unternimmt.

Eine aktuelle Studie beschreibt schamanisches Reisen, als einen aufnahmefähigen und integrierenden Bewusstseinszustand: „Brain network reconfiguration and perceptual decoupling during an absorptive state of consciousness" http://cercor.oxfordjournals.org/content/early/2015/06/23/cercor.bhv137.abstract.

Mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) wurden 15 erfahrene schamanisch Praktizierende untersucht. Sie mussten sich, während sie Trommelmusik hörten, einerseits entspannen und andererseits in Trance gehen – eine schamanische Reise unternehmen. Die kortikalen Netzwerkverbindungen zeigten in Trance höhere Eigenvektorzentralität in 3 Bereichen: im posterioren cingulären Cortex (PCC), dorsalen anterioren cingulären Kortex (DACC) und der linken Insula. Die Seed-basierte Analyse zeigte erhöhte Koaktivierung des PCC mit dem DACC und der Insula während der schamanischen Reise. Die Hörbahn zeigte weniger Aktivierung.

„In sum, trance involved coactive default and control networks, and decoupled sensory processing. This network reconfiguration may promote an extended internal train of thought herein integration and insight can occur". Es zeigt sich also dass schamanische Trance (Reise) zu Veränderungen im Gehirn führen kann, die Einsicht und Integration bewirken können.

Diese Befunde bestätigen aus neurowissenschaftlicher Perspektive, was Praktizierende seit jeher aus eigener Erfahrung berichten: Die schamanische Reise ist kein bloßes Abschalten der Sinne, sondern ein aktiver, geordneter Prozess, in dem das Gehirn innere Verarbeitungsnetzwerke stärker koppelt und äußere Reize gezielt ausblendet. Diese Verschiebung von der Außenwelt zur inneren Reflexion schafft offenbar den Raum, in dem Einsicht und Integration überhaupt erst möglich werden. Für unsere Arbeit heißt das: Die Trance ist ein nachvollziehbarer neuronaler Vorgang, der sich gezielt nutzen lässt, um innere Prozesse zu vertiefen und zu verarbeiten, im Einklang mit jahrtausendealter Erfahrung und moderner Wissenschaft.

Dr. Gerald Pohler

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