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Wie passen Einzelsitzung und Gemeinwohl zusammen?

Wie passen Einzelsitzung und Gemeinwohl zusammen?

In den Kulturen, aus denen er stammt, war Schamanismus meist eine Sache der Gemeinschaft. Die Schamanin oder der Schamane handelte für die Gruppe, etwa bei Krankheit oder Unglück, und das Ritual fand vor allen statt. Neuroschamanische Arbeit findet heute dagegen in der Regel in Einzelsitzungen statt. ASW Österreich beschreibt seine Begleitung trotzdem als gemeinwohlorientiert.

Der Einwand: Selbstoptimierung

Kritisch betrachtet lässt sich sagen: Wenn eine Führungskraft in einer Einzelsitzung ihre kreativen Blockaden löst, bedient das vor allem den westlichen Wunsch nach Selbstoptimierung. Aus einem gemeinschaftlichen Heilungsritual würde dann ein privates Angebot für Einzelne, im ungünstigsten Fall für wenige, die es sich leisten können.

Warum die Einzelsitzung

Dagegen lässt sich halten, dass sich die Lebensumstände grundlegend verändert haben. Die meisten Menschen leben nicht mehr in kleinen Gemeinschaften, in denen alle einander kennen und ein gemeinsames Weltbild teilen. Ein öffentliches Ritual auf dem Dorfplatz würde viele eher befremden als stärken.

Die Einzelsitzung ist der Versuch, die schamanische Arbeit in eine Form zu bringen, die zum heutigen Leben passt. Sie ist vertraulich, und in ihr ist Platz für persönliche Themen, die man nicht vor einer Gruppe ausbreiten möchte.

Von innen nach außen

Das Gemeinwohl ist bei diesem Ansatz ein indirektes Ziel. Eine Begleitung soll erreichen, dass sich im Verhalten etwas ändert. Wer belastende Überzeugungen erkannt und bearbeitet hat, geht anders mit Familie, Kolleginnen und Kollegen um. Eine Vorgesetzte, die ihre eigenen Projektionen kennt, führt ihr Team anders. So reicht die Arbeit an sich selbst in das Umfeld hinein.

Damit diese Wirkung in die richtige Richtung geht, braucht es ethische Standards und Transparenz. Innere Stärke kann auch in Selbstüberschätzung umschlagen. Eine gute Begleitung achtet darauf, dass daraus Mitgefühl wird und nicht Narzissmus.

Wozu dann Schamanismus?

Der Gedanke, dass Arbeit an sich selbst dem Umfeld zugutekommt, ist nicht neu. Er gilt für jede gute Psychotherapie. Daraus folgt die Frage, wozu es dann den Schamanismus braucht, oder ob er bloß eine exotische Bezeichnung für bekannte psychologische Methoden ist.

Aus Sicht des Neuroschamanismus bringt die schamanische Praxis eigene Werkzeuge mit, vor allem die Trance und die Arbeit mit inneren Bildern. Manche Belastungen lassen sich im Gespräch lange benennen, ohne dass sie sich emotional lösen. Ein veränderter Bewusstseinszustand kann einen anderen Zugang zu ihnen öffnen. Ob das im Einzelfall gelingt, lässt sich vorher nicht versprechen.

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