Bali - Insel der Schamanen
...Schamanen und Magier beiderlei Geschlechts erbringen hier tagtäglich spirituelle oder magische "Dienstleistungen"...
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Bali zählt zu den Kleinen Sundainseln im Indischen Ozean und gehört politisch zum Inselstaat der Republik Indonesien. Obwohl Bali heute zu einem beliebten Urlaubsziel des internationalen Ferntourismus geworden ist, geschehen auf dieser merkwürdigen Insel tagtäglich auch solche Dinge, von denen sich der durchschnittliche Tourist, der hier seinen Urlaub verbringt, nicht die leiseste Vorstellung macht.
Die "Insel der Götter und Dämonen", unter welchem Namen Bali weithin bekannt ist, liegt zwischen der Grossen Sunda Insel, Java, im Westen und der Kleinen Sunda Insel, Lombok, im Osten. Das - im wahrsten Sinne des Wortes - "zauberhafte" Eiland Bali ist mit einem relativ dichtmaschigem Netz schamanisch-magischer Aktivitäten durchwoben. Zahlreiche Schamanen und Magier beiderlei Geschlechts erbringen hier tagtäglich spirituelle oder magische "Dienstleistungen", die aber mangels Bekanntheit fast ausschliesslich von den Einheimischen selbst in Anspruch genommen werden.
Fremde oder Touristen nehmen von jener schamanisch-magischen Tradition deswegen kaum Notiz, weil alles, was damit in irgendeinem Zusammenhang steht, dem Balinesen als "anker sekali" (d.h. "fremdartig" bzw. "besonders gefährlich") gilt. Deshalb hüten sich Balinesen auch davor, mit einem Touristen oder Aussenstehenden über Bereiche des Übernatürlichen, über ihre Welt Niskala, auch nur zu sprechen; sie glauben, dass Unheil über sie selbst oder über ihre Familien hereinbrechen würde, sofern sie dieses kulturell konditionierte, überall auf der Insel anzutreffende Schweigegebot verletzten.
Bali hat eine geographische Ausdehnung von etwa 145km in der Länge und 80km in der Breite. Die beiden wichtigsten Städte sind Singaraja im Norden und Denpasar, die Hauptstadt Balis, nahe an der Südküste. Die Städte Sanur im Süden, Singaraja im Norden und Ubud, ein Ort der Kunst, des Kunsthandwerks und der Künstler im Herzen der Insel, sind unter den Einheimischen als die Zentren der "Schwarzen Magie" bekannt und werden aus diesem Grunde von ihnen gefürchtet.
Die Anzahl schamanisch-magischer Dienstleistungen, die auf der Schamaneninsel Bali praktiziert werden, ist Legion. Die spirituellen Tätigkeiten, die vor Ort nachgefragt und angeboten werden, reichen tatsächlich weit über jene des traditionellen Schamanismus hinaus. Während sich letzterer seit alters insbesondere mit spiritueller Heilung, Kraftübertragung und Divination befasst, beinhaltet seine balinesische Ausformung auch weiss- und schwarz-magische Praktiken, wie Liebeszauber, Schadenszauber und andere magische Operationen, die im Westen längst der Vergessenheit anheimgefallen sind. Auf der Schamaneninsel Bali ist jedoch jenes uralte Wissen um die magische Dimension des Seins bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben…
Bergzüge durchqueren diese Schamaneninsel vom Osten bis hin zum Westen. Die höchste Erhebung bildet der von den Balinesen als heilig verehrte Gunung Agung (3142m), ein Vulkan, der im März 1963 das letzte Mal ausbrach. Als Grund für diese Naturkatastrophe, die Tausende Menschenleben forderte, wird von den Einheimischen ein unterlaufener Fehler bei der nummerologischen Ermittlung der massgeblichen Feiertage für das vorletzte Eka Dasa Rudra angenommen; ein 42 Tage andauerndes, blutiges Purifikationsritual des gesamten Universums, das auf Bali grundsätzlich nur ein einziges Mal in jedem Jahrhundert durchgeführt wird. Freilich musste dieses Megaritual nach dem verheerenden Ausbruch des Gunung Agung, zum später richtig berechneten Zeitpunkt, wiederholt werden.
Im Süden läuft die Insel in Schwemmland aus, und wird von seichten Flüssen bewässert, die während der Trockenzeit kein Wasser führen aber während der Regenzeit regelmässig aus ihren Ufern treten. Der Vulkan Gunung Agung ist der höchste Berg der Insel und zugleich Sitz der Götter... Aber nicht nur kulturell, sondern auch ökonomisch ist Bali eine der bedeutendsten Inseln Indonesiens. Der Süden ist weitgehend für den internationalen Tourismus erschlossen. Hier befinden sich auch die grossen Hotels und Luxusapartements, für die der vermögende Urlauber bis zu US$ 2000 pro Nacht bezahlen muss.
Im Nordosten der Insel findet man einige ganz aussergewöhnliche Plätze zur Ausübung des Unterwassersports. Im kristallklaren Wasser des Meeres kann man sich hier dem Abenteuer des Wracktauchens hingeben oder seine Seele an der einmaligen Vielfalt und Farbenpracht der Flora und Fauna in tropischen Gewässern laben.Reis wird auf Bali seit langer Zeit kultiviert und auf terrassenartig angelegten Bergrücken angepflanzt; ebenso Zuckerrohr, Kaffee, Tabak, Gemüse und Früchte. Rinder und Schweine werden ebenfalls gezüchtet.
Die Balinesen sind überaus geschickte Kunsthandwerker, insbesondere in der Holzschnitzerei sowie in der Herstellung von Schmuckgegenständen aus Gold und Silber. Viele Balinesen betätigen sich auch als Maler, Bildhauer und als Wayan Kulit-Puppenspieler, eine Art Schattentheater, das sich insbesondere bei religiösen Anlässen grosser Beliebtheit bei den Inselbewohnern erfreut.
Balinesinnen sind für ihre äusserst graziösen und anmutigen Tänze mit traditioneller oder religiös-magischer Thematik weithin bekannt. Aber auch ihre Geschicklichkeit im Weben von Stoffen mit Gold- und Silberfäden sowie bei der Verarbeitung von Seide und in der Produktion von Baumwollkleidung wird weit über die Insel hinaus gerühmt.
Die Hauptreligion auf Bali ist eine einmalige Spielart des Hinduismus, der hier bestimmte religiöse Riten Polynesiens sowie Teile des ursprünglich vorhandenen Animismus in sich aufgenommen hat. Die Ausübung der Religion auf Bali geschieht überall öffentlich und gestaltet ganz wesentlich den Alltag der Inselbwohner - ihre phantastische Welt Sekala, wie die Balinesen diesen Seinsbereich bezeichnen.
Überall auf Bali finden sich grössere und kleinere Tempelanlagen, in denen häufig Zeremonien und Opferungen durchgeführt werden. Zu purnama, am Tage des Vollmonds, ziehen die Einheimischen in ihren bunten sarongs und kebayas zu ihrem Dorftempel, wo sie beten und ihre Opferhandlungen durchführen. Viele dieser Tempelanlagen auf Bali gelten als ganz besonders heilig, als spiritülle Orte der Kraft, die zu gewissen Feiertagen von Hunderttausenden Pilgern aufgesucht werden.
Jedes balinesische Haus verfügt über mindestens einen Haustempel, an dem die weiblichen Mitglieder der Familie mehrmals täglich Opferhandlungen vornehmen. Geopfert wird auf Bali nicht nur den zahlreichen Göttern des balinesisch-hinduistischen Pantheons, sondern auch den Kräften und Mächten der Finsternis - den Dämonen. Der Tempel Pura Ulu Danau ist Dewi Danau, der Göttin der Gewässer geweiht...
Ziel des balinesischen Hinduismus ist es nicht, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen, sondern vielmehr, einen Ausgleich zwischen beiden Polen anzustreben. Der Balinese weiss, dass es sich bei Gut und Böse, Tag und Nacht, Mann und Frau etc. um blosse Polaritäten handelt, deren Pole sich wechselseitig in ihrer Existenz bedingen. Die zwischen diesen Polen aufrecht erhaltenen Spannung und der zwischen ihnen permanent bestehende Energiefluss konstituieren dem Balinesen jene Dimension des Seins, die wir irrtümlicherweise mit "Wirklichkeit" bezeichnen. Jeder Hindu weiss, dass mit dieser Bezeichnung bloss die grösste aller Illusionen des Menschen benannt ist, denn die wahre Realität des Seins ist hinter dem Schleier der Maya verborgen. Der Balinese weiss überdies, dass jenes labile Gleichgewicht zwischen den Polen einer Polarität aufrecht erhalten werden muss, um Harmonie zu bewirken. Wird dieses Prinzip der Balance missachtet, dann muss ein daraus resultierendes Ungleichgewicht notwendig über einen radikalen, katharsischen Akt der Selbstreinigung ausgeglichen werden, der für den Menschen stets mit Leid, Disharmonie und Unglück verbunden ist. Deshalb gilt dem Balinesen in allen Lebensbereichen das Aufrechterhalten bzw. das Wiederherstellen der Balance als die oberste Maxime seiner Spiritualität.
Es ist naheliegend, dass die Balinesen auch die meisten Krankheiten aus dieser Persektive beurteilen. Krankheit wird auf Bali fast immer als das Produkt eines Zustandes der Disharmonie zwischen dem Betroffenen und seiner Umwelt betrachtet. In diesem Sinne unterscheidet sich eine Krankheit kaum von anderen Unglücksfällen: von einem Unfall, einem Ernteausfall, dem Tod eines Familienmitgliedes, dem Verlust des Arbeitsplatzes etc. Wann immer ein derartiger Unglücksfall eintritt, wird ein davon betroffener Balinese annehmen, dass er etwas Unangemessenes getan, oder etwas Angemessenes unterlassen hätte. Vielleicht hat er eine gesetzliche, religiöse oder eine sittliche Norm verletzt, vielleicht seine Position missbraucht, oder er war vielleicht nicht respektvoll gegenüber einer bestimmten Gottheit…
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